Die markanten Eigenschaften des Rauschverminderungs-System
High-Com von Telefunken sind:
- Breitbandkompanderprinzip ohne die bei Kompandern sonst typischen
Klangverfälschungen.
- 20dB breitbandige Rausch- und Störunterdrückung (d.h.
tieffrequente Störminderung um 15dB und 26dB Störminderung im oberen
Nf-Frequenzbereich).
- Schnellen Reagieren des Systems auf Dynamikspitzen und damit
mögliche Ausschaltung von Bandübersteuerungen insbesondere bei hohen
Frequenzen.
- Wirkungsvolles Verhindern hörbaren Rauschfahnen bei schnellem
Signalabfall durch Umschaltung der Abfallzeitkonstanten
Für die große Anzahl der nach dem System High-Com bereits bespielten
Kassetten war es außerdem entscheidend, daß bei den hier vorgestellten
Modifikationen die einwandfreie Abspielung der bisher codierten Kassetten
sichergestellt ist.
Wirkungsweise der Modifikation
Die Modifikationen beziehen sich - wie schon angedeutet - auf das
dynamische Verhalten des Systems unter ganz bestimmten Signalbedingungen.
Anhand von drei verschiedenen Fällen sollen die Modifikationen im
einzelnen betrachtet werden.
Einschwingverhalten bei Schallplattenüberspielungen
Die heutigen Schallplatten liefern neben den gewünschten Musiksignalen
zusätzlich tief- und hochfrequente Störsignale, die bekanntlich zu
Gegenmaßnahmen wie schaltbare Rausch- und Rumpelfilter geführt haben.
Kompandersysteme können durch die genannten Störungen fehlgesteuert
werden, so daß Schutzfilter allgemein üblich sind.
Zusätzlich treten bei der Schallplattenüberspielung jedoch noch
steilflankige Knister- und Knackstörungen auf, die ihre Ursachen in der
Schallplattenherstellung und dem Oberflächenzustand der Schallplatte
haben. Für derartige Störungen, die meist auch nur extrem kurz dauern,
sind die erwähnten Filter nicht wirksam. Es kann deshalb zu kurzzeitigen
Fehlsteuerungen des Kompanders kommen, da der Expander nur noch die im
Magnetband verflachten Störimpulse zur Decodierung erhält und deshalb
nicht mehr spiegelbildlich arbeiten kann.
Die Modifikation des Systems High-Com sieht für diesen Störfall statt
der bisher mit einer Zeitkonstante arbeitende
Regelspannungs-Speicherschaltung eine Zwei-Zeitkonstantenschaltung vor.
Die bessere Wirkung beruht darauf, daß bei Knackstörungen kurzer Dauer
nur eine erste Teilkapazität geladen wird. Die erste Teilkapazität wird
sich durch Umladung auf die zweite, zehnmal größere und durch einen
Widerstand entkoppelte Teilkapazität, wieder schnell entladen, nachdem
die Knackstörung vorüber ist. Die Dimensionierung ist so vorgenommen
worden, daß bei Nutzsignalspitzen, selbst bei höchsten Nf-Frequenzen,
keine wahrnehmbare Veränderung des Einschwingverhaltens auftritt.
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Klirrverhalten bei tieffrequenten Nutzsignalen (Bässen)
Im Bereich der unteren Grenzfrequenz des Übertragungsbereiches treten
allen Breitbandkompandern Verzerrungen auf, die durch die endliche
Abklingzeitkonstante des Systems bedingt sind. Erzeugt werden die
Verzerrungen durch das vom Regelsystem verursachte Nachsteuern der
Amplitude bei abnehmendem Augenblickswert eines allein anstehenden
Signals.
Da jedoch im Bereich der unteren Grenzfrequenz und bei Bandaufzeichnungen
immer mit Phasenfehlern zu rechnen ist, entsprechen die dem Expander in
diesem Frequenzbereich zugeführten Augenblicksignale nicht mehr denen am
Kompressor ehemals vorhandenen Augenblickssignale.
Die Systemmodifikation sieht deshalb eine Verdopplung der bei vorhandenem
Signal wirksamen Abklingzeitkonstanten vor, wodurch sich diese Klirrwerte
halbieren. Mit der im System enthaltenen Zeitkonstantenumschaltung bei
schnellem Signalabfall kann diese Modifikation ohne den hörbaren Nachteil
der kritischen Rauschfahnen erfolgen. da die verlängerte Zeitkonstante
nur bis zu 30ms nach Signalende wirksam ist und danach auf eine wesentlich
kürzere Zeitkonstante umgeschalten wird.
Ausschwingverhalten bei Signalpegelabfall
Die bereits vorab genannte Zeitkonstantenumschaltung zeigt, neben ihren
wesentlichen Vorteilen hinsichtlich der Vermeidung von Rauschfahnen und
der Erhöhung des Maßes an Störminderung mit Signal, für bestimmte
Grenzsignalarten auch Fehlsteuerungen im Verstärkungsmaß z.B. bei "Drop-outs"
aufgrund von Fehlern des Aufzeichnungsträgers.
Die das Kompandersystem steuernde Regelspannung stellt im Falle von Musik
mit häufig wechselnden Signalpegeln eine schnell ansteigende Spannung
dar, die bei Signalpegelabfällen systemtypisch mit definiertem zeitlichen
Verlauf abfällt. Dabei ist zu beachten, daß der Regelspannungsanstieg
unmittelbar dem Nutzsignalanstieg folgt, demgegenüber ein
Regelspannungsabfall frühestens nach einer sogenannten Haltezeit von etwa
30ms möglich ist.
Mit dem zur Verdeutlichung angenommenen Fall einer 200ms dauernden
einseitig (z.B. nur für den Expander) wirkenden plötzlichen
Signalabschwächung tritt beginnend mit dem Ablauf der Haltezeit ein
Verstärkungsfehler entsprechend der Pegelabweichung auf, der durch das
wieder einsetzende Signal mit der Schnelligkeit der Einschwingzeit
beseitigt wird. Bei der Untersuchung solcher kritischen Signal- und
Fehlerkonstellationen wurde deutlich, daß in diesen Fällen die
Zeitkonstantenumschaltung sehr häufig anspricht und meistens vor Ablauf
der Abklingzeit die Regelspannung bereits wieder vom Nutzsignal bestimmt
wird.
Die Dimensionierung des Systems hinsichtlich der Werte für die Haltezeit
und für die kurze Abklingzeitkonstante zeigte sich auch unter Beachtung
der möglichen Toleranzfälle und der hörphysiologischen Gegebenheiten des
menschlichen Hörvermögens als gelungen.
Die Systemmodifikation setzt in diesem Fall nicht bei der Dimensionierung
der Zeitwerte ein, sondern es wird der zeitliche Übergang der
abklingenden Regelspannung optimiert. In der bisherigen Systemauslegung
wurde beim Erkennen des schnellen Pegelabfalls (nach Ablauf der Haltezeit)
abrupt von der langen Abklingzeitkonstante auf den kurzen Wert
umgeschaltet. Dies hatte zur Folge, daß bereits wenige Millisekunden nach
diesem Vorgang relativ große Verstärkungsänderungen auftraten. Daraus
ergab sich im Falle von "Drop-outs" oder stärkerem "Mistracking"
die Gefahr hörbarer Dynamikfehler (teilweise auch als "Pumpen"
bezeichnet).
Die Systemmodifikation ergibt für den genannten Wechsel von langer zu
kurzer Zeitkonstante einen weichen Übergang. Diese Änderung wird auch
als Verrundung oder "soft-switching" bezeichnet und bewirkt eine
wesentliche Beruhigung des dynamischen Systemverhaltens, so daß selbst
unter kritischen Signal- und Toleranzbedingungen, eine in der Praxis
vollständige Maskierung der zuvor geschilderten Gegebenheiten eintritt.
Realisierung
Die Systemmodifikationen sind vorerst mit einer Zusatzbeschaltung des
ICs U401BR realisierbar. Zukünftig ist eine Änderung der integrierten
Schaltung U401BR beabsichtigt. Eine Layout-Änderung des ICs ist in
Bearbeitung, wobei in diesem Falle nur eine geringfügige Änderung der
Peripheriebeschaltung notwendig wird.
In Bild 1 wird in einem Auszug der Gesamtschaltung der Umfang der
Modifikation gezeigt. Die Bauelemente C21 und R6 der bisherigen Schaltung
entfallen. Das Zweizeitkonstanten-Netzwerk für das verbesserte
Einschwingverhalten wird durch R19 mit C24 und C7 gebildet. Die
Dimensionierung von C24 ergibt dabei den erhöhten Wert der langen
Abklingzeitkonstanten.
Mit T2, T3 sowie R23, R24 wird eine Stromquellenschaltung realisiert, die
den früheren R6 ersetzt. Der weich einsetzende Übergang ergibt sich
durch die RC-Kombination R22, C25. T1 mit R21 stellen sicher, daß jeweils
von gleicher Anfangsbedingung beim Einsatz der Verrundung ausgegangen
werden kann.
Bild 2 zeigt einen Vorschlag zur praktischen Realisierung der
Modifikation, wobei mit Hilfe einer "Huckepackplatine" ein
Nachrüsten vorhandener Systeme möglich ist.
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